Münchner Sicherheitskonferenz 2019

Um der Interpretation zu den Ausführungen von Politikern bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2019 durch die Massenmedien entgehen und sich selbst ein Bild über das Auftreten dieser Politiker machen zu können, an dieser Stelle die Verlinkungen zu den (ungekürzten) Originalreden.


Rede von Angela Merkel bei der Münchner Sicherheitskonferenz:

https://www.securityconference.de/de/mediathek/munich-security-conference-2019/video/statement-by-angela-merkel-followed-by-qa/

eingekürzt als Skript auf der Webseite der Bundesregierung:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/merkel-nur-wir-alle-zusammen–1580920

Rede von Sergej Lawrow bei der Münchner Sicherheitskonferenz mit anschließender Beantwortung von Journalisten-Fragen (lange Ladezeiten, bitte Geduld beim Aufruf oder auch die Bildqualität heruntersetzen):

https://www.securityconference.de/de/mediathek/munich-security-conference-2019/video/statement-by-sergey-v-lavrov-followed-by-qa/

Bei Letzterem wünsche ich den Zuhörern Geduld. Sie werden in der Frage-Antwort-Runde mit einer köstlichen Antwort Lawrows auf die Frage eines Journalisten der Washington Post belohnt.

Aufgefallen

Das Leben besteht in erster Linie aus Emotionen und diese sind mächtig – ja übermächtig. Wer die Rede der deutschen Bundeskanzlerin mit früheren an gleicher Stelle vergleicht, dem kann auffallen, wie unkonzentriert, aufgeregt, geradezu gehetzt sie diesmal vorgetragen wurde. Ich tippe auf ein Vorkommnis unmittelbar vor ihrem Auftritt, was sie ordentlich aus der Fassung gerissen hatte. Die Münchner Sicherheitskonferenz (MSK) ist ein Stelldichein der Neokonservativen und Transatlantiker. Wie ich schon früher auf diesem Blog schrieb, zähle ich Merkel nicht zu diesen Kreisen. Deren Agenda – jene der Transatlantiker – steht aber auf dem Spiel und Merkels Lavieren scheint heute – angesichts der veränderten internationalen Rahmenbedingungen – nicht mehr ausreichend für die Zunft um die „Altgedienten“ zu sein. 

Auffällig war der spontane Beifall, den Merkel bekam, als sie eine stärkere Öffnung gegenüber den Befindlichkeiten Chinas empfohl. Unter anderem auch das könnte mit oben erwähnter Aufgeregtheit zu tun haben. Ein Abgehen von der durch die Machthierarchie vorgegebenen Agenda ist nur unter Aufbietung von Mut möglich. Angela Merkel hat aufgrund ihrer sich dem Ende zuneigenden politischen Karriere „ganz oben“ die Möglichkeit, größere Freiheitsgrade auszutesten. All ihre Floskeln, die wie gemalt aus der ARD-Tagesschau übernommen scheinen – wahrscheinlich ist es aber umgekehrt – sind für die Galerie. Doch zwei grundsätzliche Aussagen stehen: Entweder gehen wir auf China und Russland zu oder wir gehen als Vasall der unipolaren Weltordnung der „einzigartigen Nation“ mit unter. Auf jeden Fall drückt die Umarmung dieses Partners inzwischen mächtig, was an der Behandlung der Themen China, Iran-Sanktionen und Nord Stream 2 gut erkennbar ist.

Lawrow ist ein Original wie er im Buche steht. Für die Insider auch humoristisch angefärbt: Er ist ein echter Russe. Seine Botschaft an den Westen war eindeutiger, als sie es nicht sein konnte. Sie lautete:

„Wir sind Eure aus Paranoia und Selbstüberhebung geborenen Spielchen leid. Wenn ihr – der Westen wie er sich noch immer sieht – nicht kooperieren wollt, dann könnt ihr uns mal. Wir brauchen euch nicht, um zu überleben. Ändert euren Ton, dann gehen die Türen bei uns sofort auf.“

In diesem Sinne war auch seine Antwort an den Washington Post (WP) – Korrespondenten zu verstehen. Das war in Wirklichkeit ein ungeheuerlicher Affront. Die WP ist geradezu das Flaggschiff der transatlantischen Medienmacht und aktiver Drahtzieher der US-Politik vergangener Jahre. Daher galt Lawrows Entgegnung – ich schätze, sie war kürzer als zehn Sekunden – keinesfalls nur an den Korrespondenten gerichtet.

Erweiterung vorbehalten.


Bitte bleiben Sie schön aufmerksam.

(Titelbild) München, Wolken, Silhouette; Autor: jplenio (Pixabay); 18.10.2015; https://pixabay.com/de/wolken-stadt-panorama-himmel-3401728/; Lizenz: Pixabay License