Die Kreativität der Langeweile

Wie wir uns in der Leistungsgesellschaft eines Schatzes berauben.


Pausenlos treibt unsere Gesellschaft ihre Mitglieder voran, damit sie sich ebenso permanent selbstverwirklichen. Wer vor Energie brennt und ständig die vermeintliche Erfolgsleiter hinauf steigt, verdient besondere Anerkennung. Nur ist dieser Karriereweg in Wirklichkeit ein Hamsterrad und das wiederum eine Scheinwelt, die Langeweile nicht akzeptieren kann. Das mag gut für das System sein, nur: Sollte das System nicht eher für die Menschen da sein statt umgekehrt?


Gehen wir ein wenig zurück in die Vergangenheit, in das frühe Mittelalter. Der Knechtung durch Leibeigenschaft ging eine Zeit freier Bauern voraus. Die bäuerliche Landwirtschaft wurde damals – allein oder kollektiv – in acht bis neun Monaten des Jahres betrieben. Das war eine harte, kräftezehrende Tätigkeit. Doch drei bis vier Monate verbrachten die Familien im Müßiggang. Man versorgte die Tiere, brachte die Gerätschaften in Ordnung und tat ansonsten das, was Spaß machte. Es wurde viel Zeit miteinander verbracht – und man langweilte sich. Könnte es möglich sein, dass die Menschen damals glücklicher waren?

Wenn unser Wohlstand mit Glück definiert wird, dann ist die Antwort einfach. Doch wenn das nicht zutrifft? Wie sieht es aus, wenn wir all das betrachten, was um diesen Wohlstand herum geschieht? Erhaltung und Vermehrung von materiellem Wohlstand macht glücklich? Konsum macht glücklich? Kicks machen glücklich? Wie wäre es denn mit Langeweile, vielleicht macht die glücklich!?

Sich langweilen hat im Allgemeinen einen recht faden Beigeschmack – so nach dem Motto: „Hast du nichts zu tun?” – Zu Unrecht wie ich meine.

Deshalb mag dieser Text auch als Mutmacher wirken, unsere Gesellschaft aus einer anderen, einer neuen Perspektive zu betrachten und sich für andere Formen unseres doch zeitlich so beschränkten Lebens zu öffnen.


Foucaults Disziplinargesellschaft

Vorab: Michel Foucault – der hier kurz angesprochen wird – ist nicht zu verwechseln mit dem französischen Physiker Jean Bernard Foucault, der durch seine Pendelversuche (Foucaultsches Pendel) in die Geschichte einging (1).

Der im Jahre 1984, gerade mal 57jährig, verstorbene Philosoph Michel Foucaults hat den Begriff der Disziplinargesellschaft hoffähig gemacht. Er ordnete diese zeitlich in die Phase vom ausgehenden 18. Jahrhunderts bis weit in das 20. Jahrhundert hinein ein. Dabei sind ihre Mechanismen in allen Gesellschaften feststellbar: sowohl in denen der kapitalistischen als auch jenen der sozialistischen Staaten.

Um dem Leser eine Brücke zu bauen, ist es erforderlich ein Merkmal der Disziplinargesellschaft anzusprechen, den ich als Negativismus bezeichne. Der Negativismus ist der Psychologie entlehnt und beschreibt, schlicht gesagt, Verbote.

Das Gesunde wird durch Verbote irritiert, weil Verbote gerade auf das mit Nachdruck hinweisen, das man unterdrücken soll. Das Verbot „Eintreten untersagt” reizt zum Eintreten und so weiter.” (2)

Der Negativismus ist bestimmend für das philosophische Konstrukt der Disziplinargesellschaft und außerdem der entscheidende Unterschied zur Leistungsgesellschaft der Gegenwart, in welcher dieser dem Positivismus gewichen ist.

Der Negativismus lebt also von Verboten und dessen Durchsetzung mittels Strafe und Erziehung. Er diszipliniert uns von außen, verlangt uns Leistung mit allen denkbaren und undenkbaren Mitteln der Repression ab. Der Positivismus ist sein Antipode. Er schafft Anreize und lockt mit Belohnung. Leistung wird zu einer ethisch-moralisch Vorbild gebenden Kategorie erhoben, die wir verinnerlichen sollen. So weit, dass wir uns selbst disziplinieren, um „gut” und „erfolgreich” zu sein (3).

Beim Betrachten dieser philosophischen Kategorien dürfen wir uns aber stets im Klaren sein, dass ihre Gültigkeit auf Systeme, die über Macht und Herrschaft aufrecht erhalten werden, bezogen ist.

Wir können die Disziplinargesellschaft auch als Vorstufe der Leistungsgesellschaft ansehen. Das gilt einerseits auf der Metaebene von Gesellschaften, betrachtet über Jahrhunderte und andererseits individuell in der heutigen Zeit. Auch heute werden Kinder und Jugendliche mit Gewalt (!) geformt, also diszipliniert. Die Disziplinargesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft der die verfeinerten Mechanismen letzterer fehlen. Disziplinierung bedarf nicht zwingend brutaler Repression, wie beispielsweise körperlicher Misshandlung. Alle Formen der Repression – brutal und offenkundig, wie subtil und versteckt – münden immer in unserer Psyche und verändern diese. Repression, also Unterdrückung und Gewalt wirkt konditionierend, ja dauerhaft konditionierend. Denn die Methoden erzeugen Traumata und graben sich tief in unsere Psyche ein.

Foucault hat die Disziplinargesellschaft an zwei Kategorien zu erklären versucht. Beide Kategorien beschreiben Modelle, die auf realen Ereignissen aufsetzen. Das Eine beschreibt das durchgreifende Zwangssystem, welches bei den Pestepidemien des 17. Jahrhunderts in den betroffenen Städten durchgesetzt wurde und eine totale Kontrolle wie brutale Disziplinierung aller Einwohner, der Kranken wie der Gesunden umfasste. Man kann es als Idealtypus einer Disziplinargesellschaft auffassen.

Das zweite Modell ist das des im 18. Jahrhundert ersonnenen Panopticons. Einer Architektur mittels deren Geometrie mit einem Minimum an Kontrolle ein Maximum an Disziplinierung angestrebt wurde. Damit wurde ein Wandel physischer Gewalt hin zu psychischer Gewalt eingeleitet. Mit der Subtilität verliert die Gewalt auch an Klarheit, auch an Klarheit über Jene, welche die Gewalt ausüben. Die Architektur des Panopticons machte das Objekt – den Gefangenen – vollständig sichtbar und überwachbar, während der Kontrollierende praktisch unsichtbar blieb. Das Prinzip des Panopticons fand seine Wiederspiegelung nicht nur in Gefängnissen, sondern auch in Produktionsstätten und Pflegeeinrichtungen (4).

Die heutige Leistungsgesellschaft setzt auf diesem subtilen Modell des Panopticons auf und bewirkt Schlimmes. Ihre Mitglieder erfahren die Disziplinierung und Konditionierung in einer Weise, die sie befähigt, sich selbst zu misshandeln, zu disziplinieren – und das dann auch noch als notwendig und gut anzusehen. Denn die gesamte Herde ist ja dieser Tortur unterworfen und bestätigt sich gegenseitig im „Erfolg” dieser Disziplinierung. Gleichzeitig bedeutet das aber die soziale Ausgrenzung der schwarzen Schafe, jener Subjekte, die nicht bereit sind, sich selbst zu optimieren. Zudem hat es zur Folge, dass die Methode quasi vererbt wird, denn auf diese Art und Weise werden immer neue Generationen von Kindern erzogen (!).

Der Positivismus ist innerhalb von Macht dominierten Systemen ganz offenbar die bessere Methode, um eine Disziplinargesellschaft auf quasi höherer Ebene erfolgreich weiterbetreiben zu können.

Eine Disziplinargesellschaft fußt auf Gehorsam und Kontrolle. Diese – wie auch die im konkreten Fall Ausführenden, sind – sichtbar. Die Repression lässt sich zuordnen und bildet das auch nach außen klar ab. Die Polarisierung in Opfer und Täter ist offensichtlich. In der Leistungsgesellschaft ist das so nicht mehr der Fall.

Das Perfide einer Leistungsgesellschaft besteht darin, dass sich dessen Mitglieder als befreit und positivistisch betrachten. Sie erkennen nicht, dass die Elemente von Disziplin, Gehorsam und Kontrolle Grundlage dieses Positivismus sind. Sie übernehmen sie stattdessen selbst. Fremdbestimmung und Konditionierung von außen ist nicht mehr notwendig, weil das Subjekt diese Rollenzuordnung „freiwillig” verinnerlicht hat. Nur diese Kategorien erlauben auch ein positivistisches Leistungsdenken, das in die Selbstmaximierung und Selbstausbeutung mündet.

Wachstumsgesellschaft

Was jedoch hat das alles mit Langeweile zu tun? Bewusste Langeweile kennt möglicherweise nur der Mensch – doch ausgerechnet der treibt sie sich derzeit aus. Es geht um eine Verarmung unseres Lebens, weil wir uns der Langeweile berauben, sie als negativ, eine Art von Faulheit und Desinteresse an den Dingen betrachten.

Ziehen wir daher eine weitere Ebene über die Disziplinar- und Leistungsgesellschaft, mit der diese beiden Konstrukte zwingend verbunden sind: die Wachstumsgesellschaft.

Für ihre Existenz bedarf die Wachstumsgesellschaft neuer gesellschaftlich wirkender psychologischer Muster. Mitglieder einer Wachstumsgesellschaft sind empfänglich dafür, weil sie die zuvor die in Machtstrukturen geltenden Maximen von Disziplin, Gehorsam und Kontrolle tief verinnerlichten.

In einer Leistungsgesellschaft weicht Ausbeutung als Ausdruck von Negativität, von Zwang und Gewalt – so wie sie in der Disziplinar- und Gehorsamsgesellschaft galt und auch wahrgenommen wurde – einem grenzenlosen, per se erstrebenswerten Positivismus. Dieser wiegt uns in der Überzeugung, dass das permanente Überschreiten vorhandener Grenzen ein Zeichen von Fortschritt ist.

Die Leistungsgesellschaft ist unstet. Sie kennt keine Ruhe. Ihre Mitglieder – egal wo man ihre Position aus Klassensicht einordnen mag – sind im Muss getrieben, besser zu werden und sich maximal zu verwirklichen. Denn nur so meinen sie, sich die ersehnte soziale Anerkennung verdienen zu können. Das dauerhafte Ausbleiben von Ruhe ist allerdings gleichzusetzen mit dem Abschalten eines Sicherheitssystems, dass uns Menschen davor schützt, innerlich auszubrennen.

In der Disziplinar- und Gehorsamsgesellschaft ist dieses Ausbrennen auch in seiner physischen Repräsentation sichtbar. Die Menschen ruinieren über das aufgezwungene Verhaltensmuster ihre körperliche Gesundheit. Die biologische Uhr des Menschen wird ersetzt durch die Uhr des Leistungssystems, Zeit somit ein Systemparameter zur Auswertung von Quantitäten. „Zeit ist Geld” wurde zu einer Norm und das ist sie bis heute geblieben. Somit ist die Uhr als solches – geeignet zur Mess- und Abrechenbarkeit von Zeit – ein Symbol als auch Notwendigkeit der auf Quantitäten ausgelegten kapitalistischen Gesellschaft.

Langeweile sieht unsere Gesellschaft als „verlorene Zeit”, als „vertane Gelegenheit”, als inakzeptablen Luxus, als Stillstand. Doch ist sie ein Geschenk. Sie ist Langsamkeit, Langsamkeit in der Wahrnehmung des Augenblicks. Langeweile lässt uns Dinge im Außen und in uns selbst erkennen, zu denen wir im Leistungsmodus nicht in der Lage sind. Gerade weil Langeweile ohne vorgegebenes Ziel verweilt, ist sie offen statt fokussiert. Sie erlaubt uns in Ruhe (!), die absurdesten Dinge miteinander zu verknüpfen, regt also unsere Fantasie an und ist so eine Voraussetzung, um kreativ werden zu können.


Langeweile ist das lange geistige Verweilen an einem Ort, zu dem man sich zuvor treiben ließ, ohne erzwungenen Aufwand, innerlich gelassen und zugleich Beobachter dessen, was geschieht.


Arbeiter – egal auf welcher Hierarchieebene, egal ob in Disziplinierung, Gehorsam, Kontrolle oder Leistungsdenken gefangen – können im Status einer „Produktivkraft” nicht zur Langeweile übergehen und dabei kreativ werden. Sie haben die kulturellen Normen des kapitalistischen Systems zum Teil ihrer Selbst gemacht und sich damit auch Langeweile verboten. Die Mitglieder der Leistungsgesellschaft verhalten sich wie Humanoide, verpflichtet der Matrix, die sie aufnahm und nach deren Regeln sie sich strikt richten. Um so mehr, als sie meinen, es wäre ihr freier Wille, der das bestimmt. Wie es der Name schon sagt, ist die Klasse der Arbeiter ihrer Bestimmung nach und einem ameisenhaften Wesen gleich in erster Linie zum Arbeiten geeignet.

Für die Unternehmer – die andere Seite aus der Klassensicht einer kapitalistischen Gesellschaft – gilt das allerdings in gleicher Weise! Ihre Bestimmung, der Mittelpunkt ihres Seins ist es, immerfort „zu unternehmen” – gerichtet auf ein primäres Ziel: der Erzielung des für das Unternehmen existenziellen, monetären Gewinns. Was Rastlosigkeit und ständiges Getriebensein betrifft, unterscheiden sie sich da in keiner Weise von denen, derer sie sich bedienen. Vereint sind sie im Hamsterrad. So lässt sich eine Verbindung psychologischer Befindlichkeiten zu Ideologien erkennen. Das Hamsterrad ist ja schließlich die Ideologie, der Glaube, dem kollektiv angehangen wird.

Müdigkeitsgesellschaft

Dem Neoliberalismus – selbst eine Ideologie – ist das Hamsterrad immanent. Durch seinen Anspruch, alle Grenzen aufzuheben, um Maximierung betreiben zu können – braucht er die Leistungsgesellschaft. Denn nur nach deren Mantra, ist eine Gesellschaft bereit, die Ausbeutung und Selbstausbeutung als Selbstverwirklichung zu interpretieren und damit quasi freiwillig anzustreben. Der Positivismus des Neoliberalismus ordnet Opfer seines Maximierungsgedankens dem Ziel unter, sieht sie als bezahlbaren Preis, als Opfer einer höheren Sache.

Alle Mitglieder der Leistungsgesellschaft ordnen ihr Ich der höheren Sache unter. Sie unterwerfen sich der Selbstmaximierung, um Anerkennung im Außen zu erhalten und belohnen sich durch endlose, oft völlig triviale, sinnentleerte Kicks für ihre Selbstaufopferung und Selbstabwertung. Diese Kicks sind im Rahmen der Leistungsgesellschaft, die auch eine Konsumgesellschaft ist, nicht einmal aus der eigenen Kreativität entstanden, sondern das Ergebnis einer ständigen Programmierung.

Die Programmierung in der Leistungsgesellschaft ist eine Kombination fortwährend getriggerter, der jeweiligen Macht dienender Wertemuster zum einen und einem Feuerwerk von Konsumreizen zum anderen.

Propaganda und Werbung sind zwei Seiten einer Medaille. Sie disziplinieren und belohnen. Es ist nicht wichtig, welche Position die jeweiligen Teilnehmer innerhalb dieser Matrix einnehmen. Wichtig ist, dass sich alle an die vorgegebenen Regeln halten und sie weiter optimieren – und das geschieht auch.

Alle Mitglieder der eigentumsbasierten, wachstumsorientierten Leistungsgesellschaft ordnen sich im Wesentlichen der Matrix am zugedachten Platz unter. Das ist entscheidend und nicht das Maß an Eigentum, auch nicht die wahrgenommene Position im Rahmen einer Klasse. Eigentum und Klassen sowie deren dialektische Betrachtung sind bereits sprachliche Kategorien der Matrix und würden außerhalb ihrer selbst jede Bedeutung verlieren.

In der Leistungsgesellschaft wird Disziplin zum selbstverordneten Muss statt zu einer gelegentlichen Notwendigkeit. Selbstdisziplin wird zum Wert an sich und zum Werkzeug der Selbstmaximierung. Da sie dem „höheren Zweck” dient, verdrängt sie die Empathie – auch gegenüber sich selbst – auf eine sekundäre Ebene. Das gelingt nur, weil das Subjekt – also der Mensch – über Generationen hinweg daran gewöhnt wurde, Disziplin – beigebracht durch äußere Macht – als normal, mehr noch, als erstrebenswert anzusehen.

Fatalerweise betrachten und bewerten wir nun auch unsere Mitmenschen an ihrer Fähigkeit, sich der Matrix zu unterwerfen. „Leistung zählt”, „Ergebnisse zählen” – solche Wertekategorien lassen sich sehr gut quantifizieren und vergleichen. Auf Basis der erhobenen Daten können Leistung und Ergebnisse „verbessert”, sprich erhöht werden.

Wir haben verlernt, im Sein auch zu ruhen und lassen das nun auch für andere nicht gelten. Wir suchen die Bestätigung für unser eigenes Handeln in der Erwartung, dass es andere genauso tun. Wir erwarten deren Unstetigkeit, Rastlosigkeit, ein ständiges aufreibendes Tun als Nachweise, „wertvoll” zu sein – wertvoll für das System.

Auf diese Art und Weise körperlich und geistig gestresste Menschen finden eine zweifelhafte Ruhe in einer Erschöpfung, in der völligen Apathie und Depression, die auftritt, wenn man infolge des Raubbaus an sich selbst innerlich ausgebrannt ist. Diese Ruhe hat nichts mit Langeweile zu tun, sie drückt sich vielmehr in völliger Leere aus. So ist die Leistungsgesellschaft auch eine Müdigkeitsgesellschaft (4).

Kaum dass ein Minimum an Energie aufgenommen wurde, fühlt der Betroffene das geradezu zwanghafte Bedürfnis „weitermachen” zu müssen. Er lädt – gleich einem technischen System – den Akku der humanoiden Leistungsmaschine so gut es geht auf und setzt das, was ihm einprogrammiert wurde, dann fort. Das tut er, bis er endgültig verschlissen und so nicht mehr für das System nutzbar ist. Bei all dem geraten die Mitglieder der Gesellschaft in einen Kontrollwahn. Kontrolle ist schließlich unabdingbar, um optimieren zu können. Die Leistungsgesellschaft ist daher zwangsläufig auch eine Kontrollgesellschaft.

Steuern, Regeln, Messen – sehr nützliche Verfahren bei industriellen Prozessen – haben großflächig Einzug in den sozialen Verbünden kapitalistischer Gesellschaften gehalten. Steuern und Regeln steht für die verschiedenen Formen der von außen oder von innen angetriebenen Repression. Das ausufernde Messen menschlicher Parameter ist Teil der Überwachung. Dazu zählt in der Leistungsgesellschaft die verinnerlichte Maßgabe, sich selbst zu überwachen (5).

Obwohl der Betroffene sich rational durchaus im Klaren ist, dass er am Ende ein Verlierer sein wird – denn definitiv kommt für jeden der Tag, an dem er dem Leistungsanspruch nicht mehr gerecht werden kann – macht er trotzdem immer weiter. Weil er im Wechsel zwischen Leistungsmodus und totaler Müdigkeit keine Energien mehr abrufen kann, um Alternativen zu entwickeln.

Wir alle, mich eingeschlossen, haben dies tief verinnerlicht. Aus diesem System auszubrechen, aus der Matrix auszubrechen, ist so fundamental, dass das für den jeweiligen Protagonisten gefährlich wäre. Die Matrix – die wir alle lebendig halten und mit unserem Denken und Verhalten füttern – ist nicht geeignet, einfach ihre Mitglieder zu entlassen.

Die Herausforderung besteht darin, zum einen diese Matrix als solche überhaupt zu erkennen und zum anderen Wege zu suchen, wie man diese auflösen kann. Da sie sich in Herzen und Hirnen festgesetzt hat, kann das kein revolutionärer Prozess sein, einer der uns am Ende selbst zerstören würde. Aber die Aufgabe steht, und weder ein irdischer noch ein göttlicher Sendbote wird sie uns abnehmen. Denn selbst wenn es so wäre, begänne doch alles wieder von Neuem. Die Veränderung kann nur aus uns selbst kommen und verlangt Mut wie Achtsamkeit.

Noch etwas: Sollten Sie gerade nichts zu tun haben, dann genießen Sie es! Lassen Sie sich fallen und langweilen sich, ohne ein aufkommendes Schuldgefühl gewinnen zu lassen. Es gibt einfach viel zu wenig Momente der Langeweile.

Bitte bleiben Sie auch weiterhin schön aufmerksam.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(1) https://www.geophysik.uni-muenchen.de/outreach/foucault-pendulum/das-foucaultsche-pendel?set_language=de; abgerufen: 09.01.2020

(2) Zwang und Schizophrenie; H. Feer; Karger; 1973; ISBN 978-3-8055-5046-7; Kap. 9, S. 96; https://www.karger.com/Article/Pdf/394421

(3) 12.10.2017; Arno Orzessek; https://www.deutschlandfunkkultur.de/michel-foucault-ueberwachen-und-strafen-wie-die-macht-das.976.de.html?dram:article_id=398072

(4) Michel Foucault; Überwachen und Strafen; Frankfurt am Main, 1994; S. 251-294; http://www.ph-ludwigsburg.de/fileadmin/subsites/3b-asop-t-01/user_files/Kleinbach/Veranstaltungen/WS0506_Menschenbilder/Pestmodell.pdf

(5) Byung-Chul Han; Müdigkeitsgesellschaft; 2010/2016; Matthes &Seitz Berlin; ISBN 978-3-95757-274-5

(6) 21.11.2008; Martin Conrads; https://www.fluter.de/was-ist-die-kontrollgesellschaft

(Titelbild) Langeweile, Träumen, Mädchen, Klassenzimmer, Schildkröte, Aquarium; Autor: DarkWorkX (Pixabay); 28.10.2018; https://pixabay.com/de/photos/klassenzimmer-m%C3%A4dchen-sch%C3%BClerin-3779035/; Lizenz: Pixabay License

29 Kommentare

  1. Hallo Ped,

    vielen Dank für diesen Text, welcher gedanklich fast von mir sein könnte. Er bewegt mich aus dem Grund besonders, weil ich mir gerade zu ähnlichen Themen Gedanken mache und diese aufschreibe.

    Ich weiß, dass man in einen Blogartikel nicht alle Gedanken unterbringen kann, die den Verfasser zu einem Problem bewegen. Vor allem wird es schwer, wenn man Zusammenhänge darlegen möchte.

    Unter dem Aspekt des aufklärerischen Ansinnens des Blogs, möchte ich trotzdem einige Gedanken loswerden.

    Wenn es um Aufklärung geht, würde ich Begriffe nicht als gegeben hinnehmen. Heutige »Vordenker« und »Vorbeter« erdenken und verwenden eine Fülle an inhaltslosen und entstellenden Wortschöpfungen. Meistens geht es um Begriffe, die Richtigkeit und Wohlfühlen ausdrücken sollen. Beispielsweise »repräsentative Demokratie«, »Rechtsstaat« oder auch die erwähnte »Leistungsgesellschaft« fallen für mich in die Kategorie Wohlfühlbegriffe. Sie sagen in Wirklichkeit nichts (oder sogar das Gegenteil) aus, sind vielseitig einsetzbar, vermitteln Menschen aber ein wohliges Gefühl – also wie im Produktmarketing. So scheint alles in Ordnung und gerecht zu sein. (Wobei Gerechtigkeit ein komplizierter Begriff ist, dem das Denken in Gleichgewichten zu Grunde liegt. Problem: Wenn alles im Gleichgewicht ist, also ein theoretisches Optimum erreicht wäre, gibt es keine Entwicklung. Optimum in multidimensionalen Systemen ist aber noch einmal anderes Thema.)

    Es würde jetzt viel zu lang werden, auf alle drei (es gibt noch wesentlich mehr) Begriffe einzugehen und im Moment bewegt mich die erwähnte »Leistungsgesellschaft«.
    Tatsächlich ist menschliches Leben ohne menschliche Leistung undenkbar. Leben überhaupt ist ohne Leistung unmöglich. Der Begriff »Leistungsgesellschaft« ist also theoretisch überflüssig, da keine Gesellschaft ohne Leistung existieren könnte. Worin liegt also seine Bedeutung? Er soll suggerieren, dass in dieser Gesellschaft Leistung belohnt wird. Das ist sogar zutreffend. Er unterschlägt aber bedeutende Aspekte. Einer wäre, dass die höchsten Einkommen der Gesellschaft leistungslos aus Eigentum und Besitz erzielt werden. Eigentum und Besitz, nicht die vom Menschen erbrachte Leistung, werden am meisten belohnt. Ein anderer wäre, dass keine empirisch wissenschaftliche Grundlage vorhanden ist, auf der man menschliche Leistung messen kann. Wie misst man die Leistung einer Krankenschwester, eines Piloten, einer Tänzerin, einer Ingenieurin oder eines Profifußballers? Gar nicht. Das Ergebnis ist eine willkürliche Bewertung. Irgendein Mensch hat sich die Macht und das Recht angeeignet, seine Mitmenschen und deren Leistung zu bewerten. Diese Willkür ist ebenfalls in dem Begriff »Leistungsgesellschaft« sehr gut versteckt. Dabei würde der Begriff »Willkürgesellschaft« ebenso passend sein.

    »Leistungsgesellschaft« ist ein höchst trügerischer Begriff, der von der gelebten Realität ablenkt. Er berücksichtigt weder leistungslose Renteneinkommen noch die Willkürlichkeit der Bewertung menschlicher Leistungen.

    Es gibt aber eine weitere Sache, die ich beleuchten möchte. »Zeit ist Geld.«
    Die Natur kennt weder Zeit noch Geld. Menschen erdachten sie. Beiden basieren auf dem einfachen Denken in abzählbaren Einheiten. Der eine Begriff beschreibt die Dauer von Vorgängen und Prozessen, der andere die Schulden. Schon von daher kann das Eine nicht das Andere sein. Niemand kauft sich mit einer Stunde in der Hand sein Brot.
    Trotzdem gibt es einen Punkt an dem Zeit und Geld in Wechselwirkung gebracht werden. Das ist der Augenblick der Kreditvergabe, eines Kredites von begrenzter Dauer. Daraus kann sich eine unheimliche Dynamik entwickeln und man könnte annehmen, dass Zeit gleich Geld sei. Was natürlich nicht der Tatsache entspricht. Denn der Kreditgeber will keine Zeit zurück sondern Geld.

    Lange Rede, kurzer Sinn. Für mich bedeutet »Raus aus der Matrix« auch immer »Raus aus ihren Begriffen.« Ich meine, dass sich alte Begriffe nicht zur Aufklärung und zur Beschreibung des Neuen eignen.

    In diesem Sinn
    Herzliche Grüße

    1. »Niemand kauft sich mit einer Stunde in der Hand sein Brot.»

      Würde ich nicht so einfach behaupten.
      Ich habe schon Arbeit gegen Arbeit getauscht (tatsächlich sogar auf »Stundenwährung«, also Stunde gegen Stunde).
      Und selbstgebackenen Kuchen gegen andere Gefälligkeiten.
      Genauso gut könnte ich also zum Bäcker gehen und sagen: für Dein Brot mache ich eine Stunde XYZ für dich.
      Vielleicht in dieser Form nicht unbedingt offiziell, und falls das gemeint war, dann kommt es eher selten vor. Man sollte aber nicht vergessen, daß das Finanzamt in Deutschland getauschte Arbeit durchaus kennt und theoretisch auch besteuert (also, wenn man ihm davon erzählt).
      Das gibt es in dieser Form also schon irgendwie.

      1. @Helene

        Natürlich gibt und gab es andere Möglichkeiten, die Ergebnisse der menschlichen Leistung auf andere Art und Weise zu verteilen. Dies fällt bereits in den Bereich von Lösungen aus dem Dilemma. Ich kenne einige davon. Ich könnte mir die menschliche Gesellschaft auch ohne Geld vorstellen oder mit einem Geld, welches allein durch ein »Like« oder einen »Daumen hoch« erzeugt wird. Das Beispiel mit der Stundenwährung hat mich sofort an Ecosimia bei den ecuadorischen Indianern erinnert – Geld als soziales Gedächtnis. Also Systeme als Plussummenspiel. In den westlich geprägten Gesellschaften wird die Ökonomie als Nullsummenspiel mit Schuldgeld organisiert.

        Vielleicht kommen wir noch einmal dazu, mögliche Lösungsansätze zu besprechen. Nur war dies jetzt nicht mein Thema und würde zu weit von Peds schönen Beitrag wegführen.

        Liebe Grüße

    2. Hallo Carlo,

      diese Wortschöpfungen sind eben – wie viele andere auch – ideologische aufgeladene Kampfbegriffe, sie transportieren ein bestimmtes Weltbild. Sie sind eben nicht das Resultat eigener menschlicher Erfahrung, sind daher entfremdet. Jedes mal wenn wir den Begriff verwenden, wird uns dieses Weltbild dann wohl oder übel wieder präsent. Damit sie überhaupt so verstanden werden wie gewünscht, wurden sie in eine Geschichte, einen Deutungsrahmen eingebettet. Dies passiert meist in Kindheit und Jugend, sehr subtil, ohne dass wir es bemerken. Ich erinnere nur daran wie uns hunderte von Hollywoodschinken immer und immer wieder die Geschichte „vom Tellerwäscher zum Millionär“ verkauft hatten. Da gab es dann auch „Selfmade Millionäre“ und so , wie selbstverständlich versuchen uns diese Leute bis zum heutigen Tage immer wieder zu verkaufen, dass sie ihren „Wohlstand“ mit eigener Hände Arbeit verdient haben. Alles reiner Fleiß ! Alles rechtens ! Wer diese und ähnliche Geschichten (z.B. das die Geheimdienste die Guten sind und immer wieder nur die Welt retten) glaubhaft zu Vermitteln wusste, wurde dann von Elsbeth auch gerne zum Ritter geschlagen.

      Mir fallen auf Anhieb x solcher neolib. Idiome /Phrasen ein z.B.
      -was für die Firma gut, ist auch für den Angestellten gut
      -wer es hier nicht schafft, ist selber schuld
      -was gut ist, setzt sich durch (Produktmäßig)
      -der Stärkere überlebt (Darwinismus)
      -Arbeitnehmer / Arbeitgeber
      Usw usf.

      Da diese Art von Begriffen und auch Phrasen heute allgegenwärtig sind, es kaum noch Begriffe gibt die nicht von Entfremdung und Ideologisierung betroffen sind, ist es – auch für jemanden der sich dessen eigentlich bewusst ist – fast unmöglich sich dem zu entziehen. Unsere gesamte Sprache wiederspiegelt im Grunde diesen Prozeß, ist Ausdruck unseres Denkens und der gesellschaftlichen Machtverhältnisse.
      Dieses neue Verständnis von Macht, als strukturell allgegenwärtiges ges. Phänomen, war ja seiner Zeit das Verdienst von Foucault.

      Hier ein Beispiel von Carlo:-)
      „Tatsächlich ist menschliches Leben ohne menschliche Leistung undenkbar. Leben überhaupt ist ohne Leistung unmöglich. “
      Ach ja, wirklich ?

      Wie schrieb doch Ped im Fazit:
      „Wir alle, mich eingeschlossen, haben dies tief verinnerlicht. Aus diesem System auszubrechen, aus der Matrix auszubrechen, ist so fundamental, dass das für den jeweiligen Protagonisten gefährlich wäre. Die Matrix – die wir alle lebendig halten und mit unserem Denken und Verhalten füttern – ist nicht geeignet, einfach ihre Mitglieder zu entlassen.
      Die Herausforderung besteht darin, zum einen diese Matrix als solche überhaupt zu erkennen und zum anderen Wege zu suchen, wie man diese auflösen kann.“

      Genau an dieser Stelle beginnt Religion.

      Ansonsten volle Zustimmung !
      Und vielen Dank auch an Sie Ped.

      1. @Anarchist

        Ja, wirklich.

        Kein Baum, keine Pflanze würde existieren ohne die Leistung von Mikroorganismen. Viele Pflanzen sind auf Leistungen von Insekten bei der Bestäubung angewiesen. Wer Honig möchte, ist auf die Leistung der Bienen angewiesen. Auch beim Brotbacken greift man mit Hefe und Sauerteig auf fremde Leistungen zurück. Dein Körper wird ohne Leistungen der Mikromitbewohner nicht funktionieren. Ich will es an dieser Stelle belassen.

        Leistungserbringung ist lebensnotwendig. Der Leistungsbegriff ist ein umfangreicher. Deshalb spreche ich mich nicht gegen Leistungen aus.

        1. @Carlo,

          was den Kern des Leistungsbegriffes ausmacht, dazu brauchen wir nur in die Physik schauen. es ist der Quotient zwischen Arbeit und ZEIT. Lassen Sie uns die Begrifflichkeiten nicht völlig entstellen. Wir sollten m.M. allg. gesicherte Erkenntnisse zwar immer kritisch hinterfragen, sie aber nicht völlig außer acht lassen.
          Da die Mikroorganismen, wie sämtliche Tiere und Pflanzen, demnach nicht imstande sind Zeit bewusst wahrzunehmen, können sie auch keine Leistung erbringen. Es mag ja sein, dass sie es aus Ihrer Sicht tun, die Mikroorganismen selbst „sehen“ das aber nicht so. Sie verrichten bestenfalls Arbeit, aber selbst das werden sie wohl nicht so „sehen“. Sie tun einfach das was sie tun, Punkt. Sie werden sich auch durch Einrede nicht davon „überzeugen“ lassen, mehr als in ihrer Natur veranlagt zu tun.
          Die Fähigkeit Zeit wahrzunehmen ist die Voraussetzung zur Transzendens und damit eine ausschließliche Qualität des menschlichen Selbstbewußtseins. Tiere haben zwar ein Bewußtsein, aber kein Selbstbewußtsein. Nur in diesem Zusammenhang wird verständlich, warum der biblische Garten Eden ein Paradies war, und der „Rauswurf“ ein so einschneidendes Moment ist der Menschheitsgeschichte.

          Leistung setzt also voraus, einen Begriff bzw. eine Vorstellung von Zeit zu haben. Nur wer diese Abstraktionsmöglichkeit hat, kann den Begriff der Leistung mit Sinn füllen, nur in diesem Kontext kann er dementsprechend sinnvoll genutzt und verstanden werden.

          Wenn ich also jemanden attestiere eine (gute o. weniger gute) Leistung zu erbringen, so macht dies kommunikativ nur Sinn, wenn derjenige auch eine Vorstellung der selben hat.
          Es kommt zu einer Pervertierung des Begriffes, wenn wir letztlich jedem „treiben“ Leistung zumessen.

          Leben und Leistung sind zweierlei.

          Ganz abgesehen davon, spielt dies eben den Kräften in die Hände, welche uns die Notwendigkeit einer immer höher und höheren Leistungserbringung, Wachstum um jeden Preis, als Naturgesetz verkaufen wollen.
          Das dies hoch problematisch ist, und uns in unserem potenzial als Menschen zu tiefst beschränkt und festlegt, jede Kreativität letztlich erstickt, darüber besteht jedoch kein Zweifel. Das ist der Sinn dieses Artikels.

          1. @Anarchist

            Das Problem, welches ich auch vorher beschrieb, ist kein physikalisches. Du hättest die physikalische Formel schon auf meine Frage nach der Leistungsbestimmung bei Menschen anbringen können. Aber ich stellte Leistung von lebenden selbstorganisierten Systemen dar. Keine leblosen Maschinen. Es spielen dementsprechend auch biochemische und kommunikative Prozesse eine Rolle, die man in einer einfachen physikalischen Formel nicht erfassen kann.

            Ob andere Lebewesen in der Lage sind, das was wir als Zeit beschreiben, bewusst wahrzunehmen ist nicht besonders relevant. Du als Mensch kannst es ebenfalls nicht. Denn sonst brauchtest Du keine Uhr und keinen Kalender. Vermutlich hast Du beides.

            Die Frage des Bewusstseins ist eine bewegende. Nur weiß niemand, was Bewusstsein genau ist, wo und wie es entsteht und vor allem warum. Aber davon ausgehend, dass es ein Bewusstsein den Lebewesen eigen ist, kann ich für meine zwei Hunde versichern, dass diese auch ein Selbstbewusstsein besitzen. Und wer nicht nur selbst Auto gefahren ist, sondern auch mal einen Pferdewagen kutschierte, wird sich fragen, ob Tiere nicht sogar einen freien Willen haben. Wovon ich überzeugt bin.

            Schaue ich nun auf die indischen Arbeitselefanten, auf Bienen, Zug- und Reitpferde, Termiten, Vögel, Algen, Bäume, Pilze, … sehe ich, überall Leistungen. Völlig unabhängig von jedwedem Zeitbegriff.

            Es kommt eben nicht zur Pervertierung des Begriffes, wenn man ihn weiter fasst. Denn man begründet dann auch den Anspruch der Mitwelt, ihre Leistungen zu honorieren und ihrem Erhalt die entsprechende Aufmerksamkeit und Aufwand zu widmen. Die Zerstörung des Planeten, der Raubbau an seinen Ressourcen und die Qual der Tiere sind nämlich genau das Ergebnis des Denkens, wie Du es beschreibst.

            Der letzte Absatz Deines Beitrages entzieht sich komplett meinem Verständnis. Worauf der Antrieb zu immer höherer Leistung beruht, bliebe noch zu beleuchten. Aus dem was Du schreibst, würde es mir schwer fallen, dies abzuleiten.

      2. „Wir alle, mich eingeschlossen, haben dies tief verinnerlicht. Aus diesem System auszubrechen, aus der Matrix auszubrechen, ist so fundamental, dass das für den jeweiligen Protagonisten gefährlich wäre. Die Matrix – die wir alle lebendig halten und mit unserem Denken und Verhalten füttern – ist nicht geeignet, einfach ihre Mitglieder zu entlassen.“
        Das Ziel ist, dazuzugehören und in seinem Milieu angesehen zu sein. Dafür erniedrigt sich der Normalbürger unzählige Male am Tag.- Wenn ihm das klar wäre, würde er immer wieder rechtzeitig die Reißleine ziehen. Ich kann nur Erfahrungen aus meinem eigenen Leben zitieren. Im Büro eines Asylantenheims in Berlin hatte ich Spätdienst, als die Polizei um 10 Uhr abends mit einer iranischen Familie anrückte. Zwei kleine Kinder schliefen im Auto. Die oberste Chefin hatte gerade beschlossen, daß wir keine Iraner aufnehmen, weil das zu Konflikten mit anderen Ethnien führe. – Unser Heim war weitgehend leer, eine Idiotie, sie wegzuschicken. Ich sagte: „Kommen sie rein!“ – Den Rüffel hätte ich auf mich genommen, viel hätte mir nicht passieren können. Jedoch, am nächsten Tag stellte es sich heraus, daß wir gar nicht die Erlaubnis hatten, irgendeine Nationalität abzuweisen. – Es war mir die meiste Zeit meines Lebens unmöglich, mich zu knechten, wenn ich anderer Ansicht war als eine vorgesetzte Person. – Man überlegt, was kann mir passieren. Wenn die Konsequenz zu drastisch wäre, überlegt man einen Wechsel der Tätigkeit. Wenn man keine Familie zu ernähren hat, überlegt man, ob man kurze Zeit ohne Einkommen überlebt. – Ein anderes Mal, in einer neuen Firma, nachdem ich einige Monate beste Arbeit geleistet hatte, wollte der Chef meine Bezüge kürzen. Ich würde überdurchschnittlich verdienen, sagte er. Ich kündigte sofort fristlos. Später erfuhr ich, daß er pleite war, Mit meiner Arbeit hatte er noch einige Schulden eintreiben können, aber er war am Ende. Wie erniedrigend wäre es für mich gewesen, unter diesen Bedingungen weiterzuarbeiten? – Man arbeitet, um Wer zu sein und wird dabei tagtäglich als willenloses Objekt benutzt. Da müßte man doch sofort die Reißleine ziehen. „Nicht mit mir!“ Warum geschieht das nicht?

        1. @Darja,

          Sie schreiben , Zitat:
          „Später erfuhr ich, daß er pleite war, Mit meiner Arbeit hatte er noch einige Schulden eintreiben können, aber er war am Ende. Wie erniedrigend wäre es für mich gewesen, unter diesen Bedingungen weiterzuarbeiten? – Man arbeitet, um Wer zu sein und wird dabei tagtäglich als willenloses Objekt benutzt. Da müßte man doch sofort die Reißleine ziehen. “Nicht mit mir!” Warum geschieht das nicht?“

          Ehrliche Meinung ? .: Weil es ganz so Einfach wohl nicht ist ?

          Haben Sie einmal versucht sich in die Situation des Chefs hineinzuversetzen?
          Haben Sie einmal darüber nachgedacht, warum Sie es pauschal als erniedrigend empfinden, in einer besonderen Situation auch für weniger Geld zu arbeiten?
          Kann es nicht sein, dass ein fast ausschließliches Spiegeln der selbst wahrgenommenen Wertigkeit in Euro es ist, was erniedrigt ?
          Das der Glaube: „man Arbeitet um wer zu sein“ – und je mehr man Verdient, desto mehr ist man,
          Teil der Matrix ist ?

          Das Menschen einander als Mittel zu ihren jeweils eigenen Zwecken behandeln,
          ist zunächst einmal etwas völlig Normales und keineswegs per se zu beanstanden: Wir nutzen die Busfahrerin für den täglichen Weg zum Arbeitsplatz; wir nehmen die Sachkompetenzen des Apothekers für die Pflege unserer Gesundheit in Anspruch; und die Vermieterin braucht ihre Mietsparteien, damit ihre Einkommensbilanz stimmt. Die Anerkennung der Menschenwürde liegt nicht jenseits solcher trivialer alltäglicher Bezüge, sondern soll und kann mitten in ihnen zum Tragen kommen. Entscheidend dafür ist, dass der Menschen die Möglichkeit hat, sich inmitten seiner diversen gesellschaftlichen Rollen und Funktionen zugleich als eigenständiges Subjekt zu verstehen und darzustellen.

          Ein Subjekt gründet sich in sich selbst, braucht nichts anderes um zu sein, wird daher auch als Souverän bezeichnet, ist prinzipiell also frei.
          Ein Objekt ist ein Ding, kann alleine nicht, bedingt immer ein Subjekt um zu sein, ist also abhängig.

          Das ist der Grund dafür, dass es früher, wenn es zur Lohn-Arbeit ging, gängige Redewendung war zu sagen: man geht sich Verdingen

          1. An Anarchist: Richtig, man ging sich verdingen, wenn man darauf angewiesen war. Ich habe aber geschrieben, daß es eine neue Arbeitsstelle war, und der Chef war am Ende, was ich zu dem Zeitpunkt meiner Kündigung noch nicht wußte. Er hat meine Kündigung sofort dankbar angenommen. Etwas Besseres konnte ihm gar nicht passieren, weil er zu diesem Zeitpunkt die Gehälter schon nicht mehr bezahlen konnte. Dieser Mann hat Fortbildungs-Seminare für Unternehmen angeboten. Das ging bestens in Wirtschafts-Wunderzeiten, aber damit war 1973 Schluß. Da begann die Arbeitslosigkeit und trotzdem fingen die Gewerkschaften 1972 an, jedes Jahr mit Streiks Lohnerhöhungen zu fordern. Der ganze Mist begann zu dieser Zeit, Arbeitslosigkeit, Staatsschulden. Die Beamten und Angestellten wollten ja auch nicht weniger haben, als die Arbeiter in Großunternehmen. Wie man weiß, wurden die Gewerkschaften vom CIA gesteuert: Schulden machen auf allen Ebenen, damit viel Geld im Umlauf ist, damit das doofe Volk kaufen, kaufen und kaufen kann.
            Ich gehöre zu denjenigen, die der Ansicht sind, daß die Löhne und Gehälter bei uns zu hoch sind. Man braucht nicht mehr zu kaufen als zu einem auskömmlichen Leben nötig ist. Die unverschämten Forderungen der Gewerkschaften haben nur dazu geführt, daß Produktions-Stätten ins Ausland verlagert wurden, – Selbstverständlich kann man mit einem Chef darüber verhandeln, daß man aus Kulanzgründen auch mal mit Einschränkungen weiterarbeitet, bis die Lage sich wieder verbessert, oder wenn sie dauerhaft schlechter wird.
            Wenn ein Arbeiter sich verdingt, heißt das noch lange nicht, daß er sich erniedrigt. Er erniedrigt sich erst dann, wenn er eine Arbeit macht, die seinen Grundsätzen widerspricht, z.B. als brutaler Vorarbeiter, wenn es der Bauer so verlangt. Dann muß man sehen, wie man trotz aller Widrigkeiten seinen Grundsätzen treu bleiben kann.

          2. @Daja
            »Ich gehöre zu denjenigen, die der Ansicht sind, daß die Löhne und Gehälter bei uns zu hoch sind. Man braucht nicht mehr zu kaufen als zu einem auskömmlichen Leben nötig ist.«
            Bei Stundenlöhnen und Gehältern zwischen Pi mal Daumen €10.– (bzw. weit darunter) und € 300.– ist das möglicherweise etwas zu allgemein gefaßt.
            Davon abgesehen, definiert wohl jeder ein »auskömmliches Leben« ein bißchen anders.

          3. da gehört noch ein »pro Stunde« dazu.
            Und, @Ped, der Antwort-Button ist verschwunden.


            Letzteres ist beabsichtigt. Nach der fünften Kaskade (Antwort auf die Antwort auf die Antwort …) wird abgebrochen, auch um ein endloses, sich verselbständigendes Ping Pong zu verhindern.
            Herzlich, Ped

  2. Lieber Ped, interessantes Thema,

    hierzu „Die bäuerliche Landwirtschaft wurde damals – allein oder kollektiv – in acht bis neun Monaten des Jahres betrieben. Das war eine harte, kräftezehrende Tätigkeit. Doch drei bis vier Monate verbrachten die Familien im Müßiggang.“ aber ein Einspruch. Ich weiß ja nicht, welche Zeit Sie dem Müßiggang vorbehalten, vermutlich den Winter. Es gab aber hinreichend viele Arbeiten, die im Winter erledigt werden konnten und mussten: Brennholz / Bauholz machen (fürs nächste Jahr), Spinnen, Weben, Federn Spleißen, Dreschen (zog sich lang hin bis in den Winter), Mehl mahlen (manuell, daher oft nur für den momentanen Gebrauch), eine Vielzahl von Werkzeugen und Gebäuden, die instandzuhalten waren.
    Vielleicht haben Sie Mal irgendwann Märchen gelesen, osteuropäische vielleicht. Da gibt es etwa in russischen Märchen den Iwan Durak (anderswo den Dummerjan, dummen Hans) normalerwise der dritte Bruder, der im Gegensatz zu seinen fleißigen Brüdern nur auf dem Ofen liegt und schläft. Trotzdem ist es dieser dritte Bruder, der die Prinzessin gewinnt, oder was auch immer der Preis im aktuellen Märchen ist. Allerdings ist es da nicht die herausragende Kreativität des dummen Bruders, die ihn zum Erfolg führt, sondern Unterstützung durch Ahnen etc. pp. weil der dumme Bruder anstatt zu arbeiten etwa dem letzen Willen seines Vaters folgte und regelmäßig auf dem Grab wachte. Wenn man so will stoßen da in den Märchen schon die Leistungsgesellschaft (alles ist zu erreichen, wenn man sich nur anstrengt) mit eher, nennen wir es Fatalismus (so vieles steht außerhalb unserer Macht) zusammen, in Ihrer Wortwahl Langeweile. Wie Sie sehen, ist das Thema sehr alt.
    Die negative Bedeutung von Langeweile ist m.E. erst in der Stadt entstanden. Das Dorf bietet dem Menschen, zumal dem Kind, ganz andere Verhaltensoptionen – hier fällt mir aus irgendeinem Grund immer der Passus „artgerechte Haltung“ ein. Aber vermutlich haben Sie Recht, und Langeweile ist die deutsche Entsprechung für Meditieren – nichts zu tun (und nicht zu denken) ist durchaus ein schwieriges Unterfangen. Und was der Eine für Nichtstun hält, ist für den anderen eine Studie zur Verhaltensweise der Ameisen. Oder der Wolken, wie bei Hans guck in die Luft.

    Liebe Grüße, Bernd

  3. Hallo,
    ich hatte vor ein paar Monaten mal einen Beitrag veröffentlich der hieß „Wo ist die Zeit?“ (https://www.nutze-deinen-kopf.de/wo-ist-die-zeit/).
    Darin nenne ich ein paar Beispiele womit wir im Gegensatz zu „früher“ viel Zeit einsparen: Bankgeschäfte, Lieferservices, Kinderbetreuung, Reisen online statt im Reisebüro buchen usw. Und wo ist diese eingesparte Zeit? Müssten wir nicht viel mehr Zeit für Langeweile haben?
    Menschen kaufen sich ein E-Bike weil sie dann für die Strecke x vielleicht 10 min weniger brauchen. Kommt dann jemand auf die Idee zu sagen, die 10 min die ich einspare mache ich einfach mal nichts. Nein, diese 10 min müssen sofort mit irgend etwas gefüllt werden, sonst hätte sich der Kauf des E-Bikes ja nicht gelohnt. Also kann man die 10 min gar nicht mit Langeweile füllen. Dann wäre es ja ein Verlustgeschäft.

    Aber wir bekommen ja von klein auf beigebracht das man keine Langeweile haben darf; wenn ein kleines Kind sagt „Mama, mir ist Langweilig“, wird es als Antwort so etwas wie z.B. „dann räum doch dein Zimmer auf“ gekommen.
    Was könnte man dem Kind sonst antworten? „Mach mal einfach nichts“? Oder, „guck einfach nur aus dem Fenster“?
    Was würde man am besten antworten, damit das Kind lernt das Langeweile etwas normales ist und sogar auch was schönes sein kann? Wer hat eine Idee?

    Gruß aus Duisburg
    Norbert

  4. Wenn Hochleistungssportler trainieren, zumindest wenn sie von guten Profis trainiert werden, dann ist eines zu beobachten, sie nutzen den Schlaf zur schnelleren Regenerierung, also die Ruhe.

    Radrennsportler erhalten nach den Training das Eisbad oder die Kühlmontur, zwecks Reduzierung von Entzündungsprozessen. Danach gehts in Bett für ein bißchen Schlaf.

    Ruhe und Freizeit trägt demnach für Nicht-Sportler ebenso zur Entspannung, Heilung und Vorbeugung von stress-bezogenen Erkrankungen bei.

    Ich erlaube mir noch einen verwegenen Gedanken aus der Alltagserfahrung mit einzuflechten. Bewusstsein teilen wir jetzt einmal grob in 4 Taktungen ein.
    Beta=Mensch-Wachbewusstsein (hohe Taktung)
    Alpha=Tier-Wachbewusstsein und auch schläfrige Taktung beim Menschen
    Theta=Schlaf-Bewusstsein bei Tier und Mensch, Wachbewusstsein von Pflanzen
    Delta=Tiefschlaf-Bewusstsein für Tier/Mensch, Schlafbewusstsein bei Pflanzen, Wachbewusstsein bei Mineralien & Co

    Als Mensch fühlen sich die tieferen Bewusstseinslevel langsamer getaktet an und das Wachbewusstsein wird mehr und mehr auf „Unterbewusstsein“ eingestellt.

    Kein TIPP! Wenn man ein paar Wochen übt, sich so nahe wie möglich an das Theta heran zu robben, spürt dann den Kick-Impuls zum Schlafen. Es kann dazu führen, dass der Körper „sediert“ wird, aber das Wachbewusstsein noch im Alpha bleibt, darum KEIN TIPP, denn man muss wissen wie man sich wieder synchronisiert, andernfalls kann es zu üblen Kreislaufproblemen führen. Sobald nämlich das Wachbewusstsein begreift, dass der Körper nicht synchron läuft und man nicht dagegen steuert, wird via Adrenalin-Megaschub der Körper in den Wachzustand gezwungen und das ist milde gesagt stark belastend, gefühlt wie ein Marathonlauf. Man kann das aber mental steuern, wenn man darin Übung hat.

    Worauf ich hinaus will. Hunde haben, unabhängig ihrer anderen Herzfrequenz (verbunden mit der Atmung, im Gegensatz zum Menschen), die Fähigkeit Schlaf genauso wie Wachbewusstsein auf Abruf zu können. Und sie können es, weil sie sich maximal im Alpha Zustand befinden, was sich für uns leicht schläfrig bis kurz vorm „wegknacken“ anfühlt.

    Da der Hund mehr Ruhe erlebt, kann er schneller regenerieren, schneller Leistung abrufen, einfach vieles schneller und gesünder, als der Mensch. Es liegt demnach an der Taktung.

    Betrachtet man das Leben vor 200 Jahren, so war einem klar, dass der Ritt oder Fußmarsch in die 25km entfernte Stadt eben nicht mal eben „mit dem Auto“ in 20 Minuten erledigt ist. Man nahm sich für alles mehr Zeit. So fiel wichtige Arbeit das ganze Jahr an und wenn es ums ranklotzen ging, wurde der ganze Fokus darauf gelegt.

    Schnitt ins Jahr 2020.
    Der Mensch wird von „etwas geweckt“, was ganz sicher nicht die automatisierte Routine-Zeit ist, auf welche sich ein Körper sehr schnell automatisch einstellen kann. Der Mensch steht auf und bläst sich erst mal ein Nervengift intus, welches nach mehr als 3 Tagen nicht mehr den eigentlich erbetenen Effekt auslösen kann, der Körper hat längst dagegen gefahren und kennt sogar die Uhrzeit mit der Zeit.
    Dann wird Mobiltelefon wird gecheckt, Emails am PC abgerufen, nebenbei noch Nachrichten gehört/gesehen, etwas gegessen, sich angezogen, usw.
    Ab dann ist Dauerstress bis Abends am Start.

    Die gesamte Taktung ist um ein Vielfaches höher als vor 200 Jahren und doch tut der Mensch für sich als Mehrwert keinen Cent mehr, als der Mensch vor 200 Jahren. Der heutige Mensch tut dermaßen viel „für andere“, was keinerlei Wert für den Menschen selbst hat.

    Würden wir wieder eine langsamere Taktung einführen, wären wir gesünder, leistungsfähiger und würden nicht hungern. Genau wie Hunde … wäre es nicht toll, wenn wir das „mehr“ an Bewusstsein intelligenter einsetzen würden, mit all den Erkenntnissen und Selbstreflektionen dessen wir fähig sind, der Hund aber nicht?

      1. Sehr gut (!) und wow, die Wenigsten kennen Nadolny.

        Dazu passen auch gut die Vortragsteilinhalte von Vera Birkenbiehl, welche den Faktor Zeit noch einmal ganz anders beleuchtet.

        Zum Verstehen von Prozessabläufen und Hintergründen ist „Zeitreisen“, also Veränderung der Taktung (Bewusstsein) elementar und spannend.

  5. Erst mal allen „Betroffenen“ ;-), einen wunderschönen Vatertag!!
    Bei diesem Beitrag Ped, bin ich zu 100% bei dir. Ja, es ist eine Matrix die uns umgibt. Ja, sie ist auch vom Menschen selbsterschaffen! Ja, sie die Matrix, reproduziert und verwaltet sich absolut selbst und ist Wahrscheinlich das von den Menschen noch nicht erkannte, so lange gesuchte und perfekte Perpetomobile (keine Ahnung ob ich den Begriff richtig geschrieben habe? egal).
    Und ja, es gibt die große, sehr große Masse der Dienenden und Erschaffern der Matrix, und es gibt den verschwindend kleinen Teil derer, die das System der uns umgebenden und vereinnahmenden Matrix für ihre meist selbssüchtigen und psychopathischen Verlangen ausnutzen. Was mich bis heute noch sehr wundert ist, dass egal welche Rolle man in der Matrix spielt, die der Arbeitstiere oder die derer die seit Generationen davon profitieren, die jenigen die dieses System der Matrix durchschaut und begriffen haben, es nicht schaffen können oder wollen, aus diesem auszutreten oder es zu ändern. Demnach bin ich auch der festen Meinung dass es nur Menschen aus der Matrix schaffen, die innerlich, seelisch und geistig nicht mit ihr kompatibel sind und somit von Natur aus einem anderen, nennen wir es mal Naturgesetz, unterworfen sind, aber auch sie sind nicht immer in der Lage dies zu erkennen und viele von ihnen verzweifeln daran dem „normalen“ Menschen nicht zu entsprechen und somit dem Urtrieb der Herde nur bedingt folgen zu können und ein Leben lang als „Anders“ wahrgenommen zu werden, führen müssen. Dass Mann/ Frau diesen innerem Zustand der so garnicht in die Matrix passen will, sich nicht aussuchen kann, denn wenn ich als ein Mensch der diesem unterworfen ist bestätigen kann, „wird man von der Natur und dem eigenen Schicksal dafür ausgesucht!“ Und sich diesem zu wiedersetzen ist eines der größten und leiderzeugensten Verbrechen und Fehlern an seinem eigenem Ich!
    Zur Langeweile und dem damit verbundenem und von Außen als faul angesehenem Bild möchte ich ein kleine Selbsterfahrung aufführen. Habe vor einigen Monaten bei Human Conection einen kleinen Beitrag mit der Überschrift : Das Recht auf Faulheit, gepostet und habe zu meiner Überraschung leider in der Mehrzahl negative Kommentare geerntet?!
    Obwohl ich in dem Beitrag nur auf die uns von der Natur mitgegebenen natürlichen Verhaltensweisen hingewiesen habe die sonst auch von allen anderen Lebensformen gelebt werden, nähmlich die, nur soviel Energie zu verwenden wie es für die Lebens.- und Arterhaltung notwendig ist, wurde mir direkt aus der Matrix und in Form von scharfen Kommentaren mein „Andersein“ bescheinigt und ein zwischen den Zeilen zu erfühlendes Kopfschütteln und Belächeln zog sich durch die meisten Kommentare. Einer der Kommentatoren ging sogar so weit mir mitzuteilen, jetzt Achtung, ich solle mir mit so einer Einstellung „die Kugel geben“ denn ich habe das Prinzip leben nicht verstanden und somit würde ich es nur vergeuden. Nach dem ich in wirklich sehr freundlicher und absolut respektvoller Weise diesen Mitmenschen darauf hinwies dass er mit so einer Einstellung seinen Mitmenschen gegnüber doch seiner Selbst wegen, es mal mit Selbstreflexion oder aber auch fremder Hilfe versuchen sollte um seinen Mitmenschen nicht „die Kugel“ zu wünschen, wurde ich einige Tage später per Mail von einem Aufpasser, Blockwart oder Moderatoren von HC verwarnt das „ich“ die Umgangsformen mit meinen Kommentaren verletzt habe und diese auch deswegen gelöscht wurden!?
    Nach einigen Tagen des Überlegnes habe ich mich natürlich von HC verabschiedet, denn dann könnte ich auch gleich für Wikipedia oder Ähnlichem schreiben.
    Nur die die außerhalb der Matrix stehen werden verstehen welchen Nutzen die Langeweile für ihn persönlich hat und der große Rest wird seine Freude dabei erleben weiter seine Runden im Hamsterrad der Matrix zu drehen, ist auch unser aller Recht unserem Inneren zu folgen!
    LG an alle!

      1. Keine Ahnung was da läuft bei HC, aber ich habe die Idee und Verwirklichung von Dennis Hacks Vorhaben von Anfang an mitverfolgt und war selber sehr verstört über dieses Vorgehen?! Nehme an dass mitlerweilen vieles nicht mehr in seinen persönlichen Händen ist und somit auch nicht von ihm Wahrgenommen werden.
        Echt schade wie es dann doch läuft und vielleicht schießen dort einige Mitverantwortliche über das Ziel hinaus?
        LG

      2. Hallo Rovcanin,

        lassen Sie sich doch nicht so leicht abschrecken! (HC) Man muß sich m. M. auch nicht jede „Jacke“ anziehen die einem irgendjemand hinhält. Nicht über jedes „Stöckchen“ springen (hatten wir ja hier erst kürzlich als Thema) Man äußert einfach eine Position, und die steht im Raum. Das ist es was zählt.
        Es gibt gewiss eine ganze Reihe von Leuten, die zumindest Teile davon für sich als nachvollziehbar gesehen haben, sich aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht geäußert haben.

        Häufig sind es auch einfach Missverständnisse, auf Grund von unterschiedlichem Begriffsverständnissen. Das ist wohl eher die Regel als die Ausnahme.

        Manchmal hat man dass, was man hier als Leser so „zwischen Tür und Angel“ schreibt, auch nicht vollständig durchdacht. Mir geht es jedenfalls so. Das kann auch gar nicht anders sein, denn wir alle beschäftigen uns ja mit den gegebenen Themen und es ist ein stetiger Prozeß.

        In Hinblick darauf, finde ich z.B. Ihre Feststellung, Zitat:

        „Demnach bin ich auch der festen Meinung dass es nur Menschen aus der Matrix schaffen, die innerlich, seelisch und geistig nicht mit ihr kompatibel sind und somit von Natur aus einem anderen, nennen wir es mal Naturgesetz, unterworfen sind,….)

        schwierig, würde mir diese – aus guten Gründen – so nicht zu eigen machen.
        Warum ?
        Die Fähigkeit bewusst nach bestimmten ethischen o. religiösen Werten zu Leben und diese in sein tägliches Tun einfließen zu lassen, ist das Ergebnis eines individuellen und in der Folge auch gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses. Dieser Prozeß ist ein geistiger, der grundsätzlich jedem Menschen offen steht. Das ist wichtig ! Es gibt also nicht „von Natur aus“ solche oder solche, diese und jene. Das wäre schon das aufgeben des ethischen Grundprinzips der Menschenwürde, durch Ausgrenzung, was letzlich im Rassismus enden würde.
        Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass Sie das wirklich so gemeint haben.
        In wie weit der Einzelne es letztendlich schafft diesen Prozeß für sich zu entwickeln, steht auf einem anderen Blatt.
        Ein völliger Ausstieg aus der Matrix ist, so schreibt Ped es ja sehr zutreffend, nicht möglich, bzw. endet in der Selbstzerstörung. Ist daher sicher kein gangbarer Weg, Zudem muß gesehen werden, dass ein radikaler Absolutismus , egal in welcher Hinsicht, nie gut ist, mehr Schaden als Nutzen mit sich bringt.

        „Wenn es überhaupt einen absoluten Wert gibt, dann ist es die Würde des Menschen. „ (w. Schäuble kürzlich- und er lag hier durchaus richtig)

        Radikales Denken hingegen kann – im Sinne gesteigerter Bewusstwerden – durchaus hilfreich sein.
        Karl Jaspers schreibt zB. In „Wahrheit und Leben“ S 342, Kierkegaards Christenverständnis darlegend:

        . Wird es aber geglaubt, dann steht der Glaubende – das ewige Heil gewinnend – radikal anders zur Welt und die Welt anders zu ihm. Die Welt muss ihn verneinen, in der Welt muss er leiden und vernichtet werden, sein Kreuz auf sich nehmen. Das Kennzeichen des Christseins ist nicht nur die Preisgabe des Verstandes – gegen den Verstand glauben ist ein Martyrium – , sondern das Märtyrersein überhaupt, ob in grenzenlosen Leiden oder mit dem infolge des Glaubens erlittenen Tode. Das ist das unumgängliche Merkmal des Christseins. Es ist die Folge seiner radikalen Ungleichartigkeit mit der Welt. Christentum heißt: unheilbarer Bruch mit der Welt. <

        Ich denke wir alle können, auch im Alltag, durch treffen souveräner wertebasierter Entscheidungen,
        Stück für Stück, weg vom ästhetischen hin zum ethischen Menschen, Einfluss nehmen.
        Steter Tropfen höhlt den Stein.

        1. @Anarchist

          Wenn es überhaupt einen absoluten Wert gibt, dann ist es die Würde des Menschen.

          Hört sich schön an. Und die Verfassung erhebt diese Aussage quasi auch zum höchsten Rechtsgut. Nur, was soll das denn sein, „die Würde des Menschen“?

          1. @Horst

            Hier finden Sie die offizielle Kurzversion:
            https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/recht-a-z/22561/menschenwuerde

            Unter dem folgenden link können Sie sich intensiver in die Thematik einarbeiten:
            https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/studie_menschenwuerde_2008.pdf

            Zwischen durch könnte die Frage hilfreich sein: Wodurch entsteht Subjektqualität ?

            Im religiösen Kontext verstanden:
            https://fassadenkratzer.wordpress.com/2017/06/03/der-mensch-zwischen-gesetz-und-freiheit/

            Viel Erfolg

          2. @Horst

            Ich könnte Dir nun meine Erklärung für die Würde des Menschen darlegen. Ich denke aber, dass es am besten ist, (wenn man es bisher wirklich nicht getan hat) sich selbst Gedanken darüber (eigene Würde) zu machen. Das einzige, was ich Dir aus meiner Erfahrung schreiben möchte: Obwohl man mit seiner Würde schon im Leib der Mutter existierte und sie einen das ganze Leben begleitet, bleibt sie vielen Menschen bis zu ihrem Lebensende leider verborgen. In Gesellschaften, in denen sich wenige Menschen auf Kosten von vielen Menschen bereichern, gibt es kein wirkliches Interesse daran, dass Menschen ihre Würde erkennen. Denn dann hätte dieses gesellschaftliche »Geschäftsmodell« seine Basis verloren.

            Vor einigen Jahren stolperte ich über ein Buch von Victor Frankl » … trotzdem Ja zum Leben sagen«. Ich war sehr davon beeindruckt. Ein Kapitel hat meine Überlegungen zum Thema Menschenwürde wesentlich geprägt. Das Kapitel: »Die innere Freiheit«.
            Vielleicht, findet dies Dein Interesse?
            Ich würde mir jedenfalls nicht von Dritten erzählen lassen, was meine Würde sei oder was ich unter meiner Würde zu verstehen hätte. Da könnte Dir jeder Dahergelaufene erzählen, was Du mit Deiner Lebenszeit auf diesem Planeten anzufangen hast. Leider passiert dies viel zu oft. Deshalb schlagen sich Menschen in Kriegen die Schädel ein, zerstören den Planeten, quälen Tiere …

            Frankls Werk findet man übrigens unter Archive.org:
            https://ia800307.us.archive.org/7/items/TrotzdemJaZumLebenSagen/Trotzdem%20Ja%20zum%20Leben%20sagen.pdf

          3. @Carlo
            Ich hatte die Frage absichtlich gestellt. Der Witz ist nämlich, es geht nicht um die subjektiv empfundene Würde bei diesem Verfassungsbegriff. Die Menschenwürde ist nicht zu verwechseln mit beispielsweise würdevollem Handeln. Oder damit, dass man sich selbst so etwas zuschreibt. Die Menschenwürde hat viel mit den Freiheitsrechten der Verfassung zu tun. Dem Menschen wird damit quasi ein „Wert an sich“ zugeschrieben. Er soll nicht zum bloßen Objekt staatlichen Handelns degradiert werden können.

            Man sollte sich die Links von Anarchist mal etwas genauer anschaun. Der Begriff der Menschenwürde ist nämlich kein trivialer.

            Im Zusammenhang mit den Grundrechtseinschränkungen im Rahmen der Corona-Hysterie bedeutet das rechtlich: Sind die Grundrechtseinschränkungen verhältnismäßig vorgenommen worden?
            Der Staat hatte zwischen dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und den anderen Freiheitsrechten abzuwägen.

          4. @Horst

            Der Begriff der Menschenwürde ist immer subjektiv zu verstehen, weil sich die Würde auf jeden einzelnen Menschen als Subjekt bezieht und jeder seine Würde besitzt. Das tut er völlig unabhängig von »Staaten« und »Gesetzen«. Wobei Staaten und Gesetze (inklusive Verfassungsgesetze) reine Gedankenkonstrukte darstellen, welche selbst leblos, handlungsunfähig und würdelos sind. Ein Mensch dagegen existiert und ist selbst handelnder Akteur. Es sind immer Menschen, die im Namen des »Staates« oder von »Gesetzes« aktiv werden. Damit sind würdevolle und würdelose Handlungen immer an den Menschen gebunden und nicht an von Menschen erdachten Konstruktionen, hinter denen er sich verstecken könnte.

            Das ist es, worüber Frankl unter Hardcorebedingungen nachdachte. Es galt natürlich nicht nur für ihn, sondern auch für seine staatlichen Peiniger. Welche sich später zu gern hinter Befehlen und staatlichen Gesetzen verstecken wollten.

            Würdevolles Zusammenleben, passt nicht mit Macht- und Gewaltmonopolen zusammen. Deshalb erfordert es nun besondere Denkleistungen und Anstrengungen, um dem alten Trott, Ped nennt es die Matrix, zu entkommen.

  6. »Sollten Sie gerade nichts zu tun haben, dann genießen Sie es! Lassen Sie sich fallen und langweilen sich, ohne ein aufkommendes Schuldgefühl gewinnen zu lassen.«

    Das scheint tatsächlich etwas zu sein, das einige (viele?) Menschen heutzutage nicht mehr können, wollen oder sich nicht zu tun getrauen.
    Ich las mal eine Reportage über Menschen, die Krebs (gehabt) hatten. Unvergessen ist mir das Statement einer Frau, die erzählte, sie habe sich, bevor sie so stark erkrankte, nie (!) einfach mal so aufs Sofa gelegt und nichts getan. Das mindeste wäre es gewesen, dabei ein Buch zu lesen.

    Manchmal denke ich schon, an der These, daß der Körper krank wird, um sich zu holen, was er braucht, ist durchaus etwas dran. (Und nein, dies soll nicht heißen, daß, wer Krebs bekommt, selbst dran schuld ist.)

    Man sollte wirklich öfters mal gut zu sich sein. Was eben auch heißen kann, nichts »ordentliches« gebacken zu bekommen. Und dann ist es am besten, das zu genießen, anstatt auch noch Schuldgefühle deswegen zu kriegen.

  7. Hallo @Carlo
    (23.05 ,16.45 Uhr)

    Eigentlich wollte ich es ja dabei belassen, denn es geht mir nicht darum „recht“ zu behalten. Ihre Argumente sind jedoch so haltlos, das ich doch noch einmal kurz darauf eingehen muss.

    Sie versuchen den Leistungsbegriff zum ethischen Grundprinzip zu machen. Das ist nicht nur völlig außerhalb jeder interdisziplinären Expertise, sondern geradezu absurd.
    Haben Sie sich einmal gefragt, warum keine der großen Weltreligionen in ihren Vermächtnissen, das Leistungsprinzip als einen ethischen Wert ansieht und vermittelt ?
    Und warum regelmäßig, auch von allg. anerkannten Stimmen (die zwar auch nicht über jeden Zweifel erhaben sind, sich jedoch zutiefst mit der Thematik beschäftigt hatten) wie z.B A. Schweitzer, J.W. Goethe , von der

    . ACHTUNG VOR DEM LEBEN. <

    als ethischem Grundprinzip gesprochen wurde?

    Der Leistungsbegriff ist ein Produkt des Industriezeitalters, des Materialismus, des Bedingten. Ethische Grundprinzipien jedoch sind zwangsläufig IMMER unbedingt, das ist ihr Wesen.

    Sie schreiben:
    „Ob andere Lebewesen in der Lage sind, das was wir als Zeit beschreiben, bewusst wahrzunehmen ist nicht besonders relevant. Du als Mensch kannst es ebenfalls nicht. Denn sonst brauchtest Du keine Uhr und keinen Kalender. Vermutlich hast Du beides. „

    Wie bitte ? Ich als Mensch kann Zeit nur wahrnehmen weil es Uhren und Kalender gibt ?
    Da haben wir es wieder, das Problem, was war zuerst da, das Ei oder die Henne ?
    Aus Ihrer Sicht war es offenbar das Ei, Carlo?

    Uhren und Kalender sind lediglich technische Hilfsmittel, die es uns erleichtern, unser von Natur aus
    variables Zeitgefühl zu präzisieren. Mehr nicht. Hätten wir dieses Zeitgefühl nicht, wären Uhr und Kalender ihre Sinnhaftigkeit entzogen, wären Nutzlos.

    Genauso wie Begriffe ja auch erst dann entstehen, wenn ihnen ein Phänomen als Substanz zu Grunde liegt. Das ist auch der Grund dafür, dass es in anderen Sprachen, deren Völker einen anderen Entwicklungsweg vollzogen haben, für bestimmte uns völlig geläufige Begriffe, kein Äquivalent gibt.
    Entsprechende Erfahrungen wurden dort eben nicht gemacht. Einen Artikel der sich der Thematik versucht zu nähern, können Sie hier finden:
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2018/08/13/vom-anderssein-des-schwarz-afrikaners/

    Als kleines persönliches Experiment, können Sie ja Ihren Hunden gerne einmal einen Meterstab zur Verfügung stellen, Ihrer Theorie entsprechend, sollten diese dann problemlos mit Längen umgehen können und Bspw. Ihr Grundstück oder ihren Zwinger ausmessen.
    Ich befürchte jedoch, das wird nicht funktionieren. Da Sie kein Vorstellung von dem haben.
    Und Sie können es so oft wiederholen wie Sie wollen, Sie werden es nicht ändern.

    Wir Menschen jedoch haben eine „innere Uhr“ ,ein Zeitgefühl, der Rahmen dieser Uhr ist unser Gedächtnis. Ich setze an dieser Stelle keinen Links, es gibt genügend Quellen im Netz wo dies nachzulesen ist, man sich kundig machen kann.

    Sie schreiben weiter:
    „ Nur weiß niemand, was Bewusstsein genau ist, wo und wie es entsteht und vor allem warum. Aber davon ausgehend, dass es ein Bewusstsein den Lebewesen eigen ist, kann ich für meine zwei Hunde versichern, dass diese auch ein Selbstbewusstsein besitzen. „

    Hoppla, niemand weiß was Bewusstsein ist , aber Sie wissen das Ihre Hunde Selbstbewusstsein haben ?
    Was ist das für eine Logik ? Mal abgesehen davon das Bewusstsein und Selbstbewusstsein zweierlei sind, negieren Sie das erstere „niemand weiß was es ist“, nehmen dies dann aber sogleich als gegeben und „versichern“ – im Sprung – das Ihre Tiere über ein Selbsbewusstsein verfügen ?

    Sich seiner Selbst bewusst zu sein, heißt, sich als getrennt von der Natur wahrzunehmen, als Ichheit.
    Dies ist ein geistiges Phänomen, es äußert sich in der sog. Subjekt – Objektspaltung. Das macht uns (Kant) zu sog. „Vernunft begabten Wesen“.
    Im Kontext Jüdisch – Christlicher Religionsgeschichte repräsentiert dieser Moment – der wie schon erwähnt mit dem „Rauswurf“ aus dem Garten Eden beschrieben wird – den Beginn der menschlichen Dichotomie, die Geburt der menschlichen Freiheit.
    Das ist allgemeines Wissen, und es lohnt in diesem Zusammenhang, sich mit den Werken von z.B E.Fromm, K. Jaspers, S. Kierkegaard, J.W. Goethe. F. Nietzsche. auseinanderzusetzen.

    Aus eigener Erfahrung (ich hatte auch einige Jahre einen Schäferhund, den ich natürlich sehr mochte) kann ich sagen, dass ich ihn, bei aller Liebe, nicht als ein mit Vernunft ausgestattetes geistiges Wesen erlebt habe.
    Exemplarisch dafür ist das „Spiegelexperiment“, das Tier erkennt sich im Spiegl nicht selbst, es sieht -mehr oder weniger erregt – einen (anderen?) Hund.

    Es ist sicherlich nicht Empirisch, zu sagen, gewisse (höher entwickelte) Lebewesen hätten gar keine Zeitwahrnehmung. Auch diesbezüglich gibt es – wie so oft – nicht nur schwarz und weiß. Nur ist eben diese Fähigkeit (sehr) stark eingeschränkt.

    Sie schreiben weiter :
    „ Schaue ich nun auf die indischen Arbeitselefanten, auf Bienen, Zug- und Reitpferde, Termiten, Vögel, Algen, Bäume, Pilze, … sehe ich, überall Leistungen. Völlig unabhängig von jedwedem Zeitbegriff.„

    wiegesagt, das ist Arbeit 🙂

    Und weiter:
    „Denn man begründet dann auch den Anspruch der Mitwelt, ihre Leistungen zu honorieren und ihrem Erhalt die entsprechende Aufmerksamkeit und Aufwand zu widmen. “

    Genau das ist das Problem:
    Leben braucht sich seine Wertigkeit nicht durch „Leistung“ zu verdienen. Einen Achtungsanspruch hat es unabhängig davon, ob irgend jemand es als mehr oder weniger nützlich erachtet. Andernfalls würde das ja voraussetzen, dass es eine Instanz gebe, welche im Stande wäre, Gottes Wort zu sprechen, alles im Blick zu haben. Da dies jedoch – für wen auch immer – eine Anmaßung wäre, ist der Versuch dieser Art von Bewertung schon das Aufgeben des ethischen Grundprinzips, was zwangsläufig dazu führt, dass es auch „Minderleister“ gäbe, denen dann sogleich das „Recht“ auf Leben abgesprochen würde.

    Diese Denkweise wäre positivistischer Irrsinn und passt eher in die Ecke des sog. Transhumanismus,
    über den ja Ped hier im Blog schon eine ausführliche Artikelreihe schrieb.

    Letzlich muss natürlich ein jeder sein eigenes Selbstverständnis entwickeln, dies ist ein Prozeß,
    bei dem jeder von uns an einem anderen Punkt steht.

    mit freundlichen Grüßen
    Anarchist

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